Beispiel Solarstrom für ein Mehrfamilienhaus

Beispiel Solarstrom für ein Mehrfamilienhaus

Ein Dach mit 600 Quadratmetern Fläche, zwölf Wohnungen und ein dauerhaft laufender Allgemeinstromverbrauch: Genau hier kann Photovoltaik besonders sinnvoll sein. Das Beispiel „Solarstrom für Mehrfamilienhaus“ zeigt, dass sich eine Anlage nicht nur über die Einspeisung rechnet. Entscheidend ist, wie viel Strom direkt im Gebäude genutzt wird – und welches Abrechnungsmodell zur Immobilie passt.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer ist das Thema anspruchsvoller als bei einem Einfamilienhaus. Mehr Parteien, unterschiedliche Verbräuche und rechtliche Anforderungen müssen sauber zusammengebracht werden. Mit einer realistischen Planung lässt sich daraus jedoch ein wirtschaftliches Energiekonzept entwickeln, das Nebenkosten senkt und die Immobilie langfristig aufwertet.

Das Beispiel: 12 Wohnungen, ein nutzbares Dach

Nehmen wir ein Mehrfamilienhaus in Berlin oder Brandenburg mit zwölf Wohnungen. Das Dach ist überwiegend verschattungsfrei, statisch geeignet und nach Süden sowie Osten und Westen ausgerichtet. Neben den Haushalten gibt es Allgemeinstrom für Treppenhausbeleuchtung, Keller, Außenanlagen und eine moderne Heizungsanlage.

Der jährliche Stromverbrauch liegt bei rund 45.000 Kilowattstunden. Davon entfallen etwa 5.000 Kilowattstunden auf den Allgemeinstrom. Die übrigen 40.000 Kilowattstunden verbrauchen die Haushalte. Diese Aufteilung ist typisch, kann in der Praxis aber deutlich abweichen: Ein Aufzug, eine Wärmepumpe, Ladepunkte oder ein Gewerberaum im Erdgeschoss verändern das Verbrauchsprofil spürbar.

Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage mit 45 Kilowattpeak installiert. Je nach Ausrichtung, Verschattung und regionalen Einstrahlungswerten kann sie jährlich ungefähr 40.000 bis 45.000 Kilowattstunden Solarstrom erzeugen. Die Anlage produziert also fast so viel Energie wie das Haus im Jahr verbraucht. Das bedeutet jedoch nicht, dass der gesamte Bedarf direkt gedeckt wird: Solarstrom entsteht vor allem mittags und im Sommer, Strom wird dagegen morgens, abends und ganzjährig benötigt.

Was passiert mit dem erzeugten Solarstrom?

Im Beispiel wird zunächst der Allgemeinstrom versorgt. Das ist der unkomplizierteste Einstieg, weil dieser Verbrauch über einen zentralen Zähler läuft. Je nach Verbrauchszeit und Auslegung können dafür jährlich etwa 3.000 bis 4.000 Kilowattstunden PV-Strom direkt genutzt werden. Der Netzbezug für Flurlicht, Technik und Heizung sinkt entsprechend.

Noch wirtschaftlicher wird das Projekt, wenn auch die Bewohnerinnen und Bewohner Solarstrom vom eigenen Dach nutzen können. Dafür stehen unterschiedliche Modelle zur Verfügung. Welches davon passt, hängt von der Eigentümerstruktur, dem Verwaltungsaufwand, der Zahl der teilnehmenden Haushalte und dem gewünschten Grad an Eigenverantwortung ab.

Solarstrom im Mehrfamilienhaus: drei sinnvolle Modelle

Bei der Planung geht es nicht allein um Module und Wechselrichter. Die spätere Stromverteilung entscheidet mit darüber, wie hoch Eigenverbrauch, Aufwand und Ertrag ausfallen.

1. PV-Anlage für den Allgemeinstrom

Die Eigentümergemeinschaft oder der Gebäudeeigentümer nutzt den erzeugten Strom ausschließlich für gemeinschaftliche Verbraucher. Überschüsse werden ins öffentliche Netz eingespeist. Dieses Modell ist vergleichsweise einfach umzusetzen, weil keine Stromlieferverträge mit Mieterinnen und Mietern nötig sind.

Es passt gut, wenn der Allgemeinstromverbrauch hoch ist, etwa durch Wärmepumpe, Aufzug, Lüftung oder Tiefgarage. Bei einem Haus ohne größere technische Verbraucher bleibt das wirtschaftliche Potenzial allerdings begrenzt, weil ein großer Teil des Solarstroms eingespeist wird.

2. Mieterstrom

Beim Mieterstrom verkauft der Anlagenbetreiber Strom vom Dach direkt an teilnehmende Mieterinnen und Mieter. Die Haushalte profitieren von lokal erzeugter Energie, während der Betreiber zusätzliche Einnahmen erzielt. Überschüsse gehen weiterhin ins Netz, und bei fehlender Sonneneinstrahlung kommt Strom automatisch aus dem Netz.

Dieses Modell kann den Eigenverbrauch deutlich erhöhen. Es bringt aber Pflichten mit sich: Abrechnung, Messkonzept, Verträge, Kommunikation mit den Haushalten und energierechtliche Vorgaben müssen professionell organisiert sein. Gerade bei häufigen Mieterwechseln sollte vorab klar sein, wer diese Aufgaben dauerhaft übernimmt.

3. Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung

Für geeignete Mehrfamilienhäuser kann auch eine gemeinschaftliche Gebäudeversorgung interessant sein. Hier wird der erzeugte PV-Strom innerhalb des Gebäudes nach festgelegten Anteilen verteilt. Die Bewohner behalten dabei in der Regel ihren Stromlieferanten für den Reststrombezug.

Der Vorteil liegt in einer einfacheren Struktur als beim klassischen Mieterstrom. Ob dieses Modell wirtschaftlich und technisch passt, hängt jedoch vom Messkonzept, den Verbrauchsprofilen und der konkreten Gebäudesituation ab. Eine sorgfältige Prüfung vor der Entscheidung verhindert, dass ein auf dem Papier attraktives Modell im Alltag zu viel Verwaltungsaufwand erzeugt.

So könnte die Wirtschaftlichkeit im Beispiel aussehen

Von rund 42.000 Kilowattstunden Jahresertrag werden im Beispiel etwa 22.000 Kilowattstunden direkt im Gebäude verbraucht. Das entspricht einem Eigenverbrauchsanteil von gut 50 Prozent. Der übrige Solarstrom wird eingespeist und nach den jeweils geltenden gesetzlichen Konditionen vergütet.

Der direkt genutzte Strom ist finanziell besonders wertvoll, weil er den Einkauf von Netzstrom ersetzt. Wie hoch die Ersparnis ausfällt, hängt von den vereinbarten Stromtarifen, dem Betreibermodell und den laufenden Kosten ab. Wer Solarstrom an Mietparteien liefert, muss dabei nicht nur Erzeugung und Einspeisung betrachten, sondern auch Zählerkosten, Abrechnung, Verwaltung, Wartung und eventuelle Rücklagen einrechnen.

Für die Anlage selbst sind neben Modulen und Wechselrichtern weitere Positionen relevant: Gerüst, Unterkonstruktion, elektrische Verteilung, Zählerschrankanpassung, Messstellen, Planung und Anmeldung beim Netzbetreiber. Bei älteren Gebäuden kann insbesondere die vorhandene Elektroinstallation bestimmen, wie umfangreich die Umsetzung wird. Transparente Angebote sollten diese Punkte nachvollziehbar ausweisen, statt nur mit einem günstigen Anlagenpreis zu werben.

Eine Amortisationszeit lässt sich deshalb nicht seriös pauschal versprechen. Ein Haus mit hoher tagsüber laufender Last – etwa durch Gewerbe, Wärmepumpe oder Ladeinfrastruktur – kann den Solarstrom besonders gut selbst nutzen. Bei überwiegend abendlichem Haushaltsverbrauch braucht es eine andere Auslegung oder gegebenenfalls ein ergänzendes Speicherkonzept.

Ist ein Batteriespeicher im Mehrfamilienhaus sinnvoll?

Ein Speicher kann Solarstrom vom Mittag in die Abendstunden verschieben und den Netzbezug reduzieren. Im genannten Beispiel könnte ein Speicher mit etwa 30 bis 60 Kilowattstunden Kapazität sinnvoll geprüft werden. Er erhöht jedoch die Investition und ersetzt keine saubere Verbrauchsanalyse.

Bei Mieterstrom oder gemeinschaftlicher Versorgung ist die Zuordnung des gespeicherten Stroms technisch und abrechnungstechnisch mitzuplanen. Ein Speicher lohnt sich nicht automatisch, nur weil er die Eigenverbrauchsquote erhöht. Maßgeblich ist, ob die zusätzliche Einsparung über die Lebensdauer zu den Mehrkosten, möglichen Ladeverlusten und dem tatsächlichen Verbrauchsverlauf passt.

Oft ist es sinnvoller, zunächst die Dachfläche gut auszunutzen und steuerbare Verbraucher einzubinden. Eine Wärmepumpe, ein Warmwasserspeicher oder Ladepunkte können den Solarstromverbrauch gezielt in Sonnenstunden verlagern. Auch eine spätere Speichererweiterung kann eine gute Lösung sein, wenn die technische Vorbereitung von Anfang an berücksichtigt wird.

Planung beginnt nicht mit der Modulanzahl

Für ein belastbares Konzept werden zuerst Dach, Elektrik und Verbrauch betrachtet. Dazu gehören die Statik, Dachdeckung, Verschattung durch Bäume oder Nachbargebäude, die Ausrichtung, Brandschutzwege und der Zustand der Zähleranlage. Anschließend wird geprüft, welche Strommengen zu welchen Zeiten im Haus benötigt werden.

Ebenso wichtig ist die Frage, wer Betreiber der Anlage sein soll. Eigentümer, Wohnungseigentümergemeinschaft oder ein externer Dienstleister tragen jeweils unterschiedliche Verantwortung. Diese Entscheidung beeinflusst Verträge, steuerliche Fragen, Abrechnung und die spätere Kommunikation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.

Bei ps Solar steht deshalb nicht eine Standardgröße im Vordergrund, sondern ein Konzept, das zum Gebäude passt. Von der Vor-Ort-Prüfung über die technische Planung bis zur Installation und Inbetriebnahme sollten alle Schnittstellen klar geregelt sein. Gerade im bewohnten Mehrfamilienhaus zahlt sich eine koordinierte Umsetzung aus: weniger Abstimmungsaufwand, nachvollziehbare Termine und eine Anlage, die im Alltag zuverlässig arbeitet.

Häufige Fragen zum Solarstrom für Mehrfamilienhäuser

Müssen alle Mieter am Solarstrom teilnehmen?

Nein. Je nach Modell ist eine freiwillige Teilnahme möglich. Beim Mieterstrom kann nicht vorausgesetzt werden, dass jede Partei einen Vertrag abschließt. Eine realistische Wirtschaftlichkeitsrechnung berücksichtigt daher unterschiedliche Teilnahmequoten.

Reicht das Dach für alle Wohnungen?

Das hängt von Fläche, Ausrichtung und Verbrauch ab. Selbst eine große Anlage deckt nicht zu jeder Tageszeit den gesamten Strombedarf. Ziel ist meist nicht vollständige Autarkie, sondern ein hoher und wirtschaftlicher Anteil selbst erzeugten Stroms.

Was passiert bei Wolken oder nachts?

Die Stromversorgung bleibt gesichert. Fehlt Solarstrom, beziehen Allgemeinstrom und Haushalte automatisch Energie aus dem öffentlichen Netz. Ein Batteriespeicher kann einen Teil der Abend- und Nachtlast abdecken, aber nicht den saisonalen Unterschied zwischen Sommer und Winter vollständig ausgleichen.

Ein Mehrfamilienhaus muss nicht erst perfekt modernisiert sein, um mit Solarstrom zu starten. Entscheidend ist, die vorhandenen Gegebenheiten ehrlich zu bewerten und ein Modell zu wählen, das auch nach der Inbetriebnahme für Eigentümer und Bewohner verständlich bleibt.

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